Glücksspielrecht – für viele Spieler ein unbekanntes Feld

Bei der Anmeldung in einem Onlinecasino oder der Abgabe des klassischen Lottoscheins machen sich die wenigsten Spieler Gedanken darum, dass sämtliche Schritte von der Aufstellung der Spielregeln bis zur Gewinnauszahlung strengen, rechtlichen Grundsätzen unterliegen. Das Glücksspielrecht gehört zu den eher jungen Disziplinen im Jura, dennoch haben sich einzelne Anwälte auf dieses Gebiet spezialisiert und können Spielern in rechtlich heiklen Situationen weiterhelfen. In einem aktuellen Interview mit dem Rechtsanwalt Martin Reeckmann, der seit zwei Jahrzehnten im Glücksspielrecht spezialisiert ist, wurden Spielern interessante Einblicke und Tipps gegeben.

Spielerschutz als moderne Herausforderung für den Gesetzgeber

gambling lawsWährend die Überprüfung der Spielregeln und der Seriösität eines Spielangebots meist vollkommen sachlich erfolgen kann, gab Reeckmann im Interview die Herausforderung des modernen Spielerschutzes an. Hier hat die rechtliche Instanz genau hinzuschauen, wie öffentlich-rechtliche oder private Anbieter von Spielangeboten die Vorgaben des Gesetzgebers zum Spielerschutz umsetzen. Kampagnen gegen Spielsucht und ähnliche Aktionen sollten dabei aufklären, jedoch nicht vom tatsächlichen Spielangebot abschrecken. Den Gesetzgeber lobte Reeckmann für die Schaffen klarer Richtlinien, durch die z. B. die Beliebigkeit von Spielersperren entfallen ist, dennoch gibt es Nachholbedarf in der Ausformulierung verschiedener Regelungen.

Staatliche Glücksspielverträge in der Kritik

In Deutschland ist das öffentlich-rechtliche Glücksspiel eine Sache der Bundesländer, alleine im vergangenen Jahrzehnt wurde der nationale Glücksspielvertrag als rechtliche Grundlage für die Länder dreimal überarbeitet. Reeckmann geht als Experte kritisch mit diesen Entwicklungen um, häufig würde ein neuer Glücksspielvertrag nur die kleinen Fehler des Vorgängers ausbügeln und Gesetzeslücken stopfen. Da in den Augen des Rechtsanwalts in gut einem Jahrzehnt das Onlinewetten und -gaming auf allen Ebenen das standortgebundene Glücksspiel ablösen dürfte, sollte sich der Staat offener gegenüber Internetangeboten zeigen. Dies gilt gerade für den Verbot von Onlinecasinos oder Wettangeboten im Internet, mit denen manche Bundesländer ihr Monopol aufrechterhalten wollten.

Konsequenzen für den einzelnen Glücksspieler

Onlinecasinos und andere Spielangebote im Internet wurden von öffentlich-rechtlicher Seite aus zu lange als Konkurrenz wahrgenommen, der digitale Fortschritt lässt sich jedoch nicht aufhalten. Zwar halten sämtliche Bundesländer mittlerweile eigene Angebote wie die Abgabe des Lottoscheins online bereit, nur selten können solche Leistungen jedoch mit dem umfangreichen Spektrum eines vielseitigen Onlinecasinos konkurrieren. Die meisten Spieler werden somit noch einige Jahre warten müssen, bis sie von staatlicher Seite aus ein umfassendes Glücksspielangebot präsentiert bekommen. Ob dies überhaupt gewünscht ist und wie mit weiteren Verpflichtungen, beispielsweise mit dem Schutz vor Spielsucht, umgegangen wird, kann aktuell noch nicht abgeschätzt werden.