Zeitung drucken.

Österreich: Rüge vom Presserat

Zwei österreichische Zeitungen wurden wegen verdeckter Werbung für Glücksspielkonzerne vom Presserat gerügt. Wie die journalistische Selbstkontrollinstanz per Mitteilung verlauten ließ, geht es konkret um die beiden Tageszeitungen Kurier und Kronen Zeitung, die in einem fast identischen Bericht die Glücksspielkonzerne Casinos Austria und Österreichische Lotterien ausnahmslos positiv vermarktet haben sollen.

Presserat: „Offenkundige Irreführung“

Nach einer monatelangen Untersuchung ist der Presserat zum Schluss gekommen, dass die beiden Beiträge „Der Mensch im Fokus“ und „Mensch im Fokus“ nicht den Kriterien des journalistischen Handwerks entsprechen würden und jedwede Form der unabhängigen Aufklärung vermissen ließen. Zeitgleich gehe die Selbstkontrollinstanz davon aus, dass die beiden Tageszeitungen ihre Artikel mit Vorsatz nicht als bezahlte Anzeige oder Werbung gekennzeichnet haben, da es mutmaßlich Einfluss Dritter gegeben haben soll.

Die entsprechenden Beiträge erschienen jeweils am 23. und 26. März 2021 und thematisierten das soziale Engagement der Casinos Austria AG und der Österreichischen Lotterien Gruppe. Durch die fehlende Deklaration als bezahlte Anzeige seien nach Aufschluss des Presserats die Leserinnen und Leser offenkundig in die Irre geführt worden. Diese seien aufgrund von selbstständig recherchierten Artikeln ausgegangen, die den Richtlinien des Journalismus folgen.

In seiner offiziellen Mitteilung weist der Presserat daraufhin, dass Kurier und Kronen Zeitung durch ihr Handeln gegen den Ehrenkodex der österreichischen Presse verstoßen haben. Konkret seien dabei die Punkte Drei und Vier verletzt worden. Letzterer besagt, dass die „Einflussnahme Außenstehender auf Inhalt oder Form eines redaktionellen Beitrags“ zu unterlassen ist. Punkt Drei schreibt dagegen vor, dass Tatsachenberichte und Fremdmeinungen klar unterscheidbar sein müssen.

Identische Wortwahl und Aufbau

In der Presselandschaft ist es nicht unüblich, dass Zeitungen oder Medienhäuser offizielle Pressemitteilung ungefiltert wiedergeben. Allerdings sind solche Artikel immer mit einer besonderen Kennzeichnung versehen, die der Leserschaft Aufschluss über die Quelle geben. Selbst Werbebeiträge werden zuweilen direkt veröffentlicht; jedoch gilt auch hier der Grundsatz der Kennzeichnung.

Nach Ansicht des Presserats sei dies weder bei der Kronen Zeitung noch beim Kurier der Fall gewesen. Viel mehr hätten beide Tageszeitungen ihre Artikel mit identischer Wortwahl und gleichem Aufbau abgelichtet. Selbst die Bebilderung sei komplett gleich gewesen. In ihrer Mitteilung gibt die journalistische Kontrollinstanz zu Protokoll, dass „weder eine unabhängige redaktionelle Aufarbeitung noch die erforderliche journalistische Distanz“ bei den jeweiligen Beiträgen zu erkennen ist. Dadurch hätten die beiden Tageszeitungen aus medienethischer Sicht keine gute Figur gemacht.

Unkritische Berichterstattung

Inhaltlich wurde in den Artikeln das zivilgesellschaftliche Engagement der Casinos Austria AG und der Österreichischen Lotterien Gruppe thematisiert. Auch wenn die Glücksspielkonzerne in diesen Bereichen aktiv seien, habe die Berichterstattung keine kritische Betrachtungsweise aufgewiesen. Viel mehr sei das Engagement der Unternehmen ausschließlich positiv bewertet worden. Zusätzlich habe der Sprachgebrauch in den Beiträgen für Verwirrung gesorgt, da nach Ansicht des Presserats überwiegend mit „Werbesprache“ gearbeitet worden sei.

Während ihrer Untersuchungen habe die journalistische Kontrollinstanz ein drittes österreichisches Medium entdeckt, dass einen ähnlichen Artikel auf ihrer Plattform veröffentlicht habe. Die Tageszeitung Der Standard sei jedoch den Bestimmungen und Regeln des Presserats nachgekommen und habe den entsprechenden Beitrag als bezahlte Werbung gekennzeichnet. Durch diesen Quervergleich sei der Presserat in seiner Annahme bestärkt worden, dass die Kronen Zeitung und der Kurier unethisch gehandelt hätten.

Keine Reaktion der Beschuldigten

Ähnlich wie in Deutschland sind auch österreichische Zeitungen und Medienhäuser nach einer offiziellen Rüge des hiesigen Presserats dazu verpflichtet, die entsprechende Kritik in Eigeninitiative abzudrucken oder zu veröffentlichen. Dadurch soll die Leserschaft darauf hingewiesen werden, dass der jeweilige Artikel fehlerhaft ist oder bestimmte Mängel aufweist. Zeitgleich sollen die betroffenen Medienakteure öffentliche Buße leisten. Der gesamte Prozess läuft dabei in der Regel in einem gegenseitigen Austausch ab.

Der Presserat habe entsprechend dem Kurier und der Kronen Zeitung angeboten, am laufenden Verfahren teilzunehmen, um einen Dialog zu schaffen. Allerdings hätten beide Tageszeitungen diese Einladung abgelehnt. Aus diesem Grund fordere die Kontrollinstanz nun unverzüglich, die Rüge freiwillig zu veröffentlichen.

Share on Pinterest

Ähnliche Beiträge


Über den Autor Avi Fichtner Mein Name ist Avi Fichtner und ich arbeite seit 12 Jahren im Bereich Glücksspiel. Ich habe mehrere große Informationsseiten aufgebaut und kenne mich bestens aus. Ebenfalls seit 12 Jahren beobachte ich die gescheiterten Regulierungsversuche in Deutschland und schreibe dazu.
Avi Fichtner Casino Experte & Autor   Mail