WDR-Reportage Online-Glücksspiel Legalisierung und Spielsucht

WDR-Reportage: Online-Glücksspiel Legalisierung und Spielsucht

Bislang haben 13 Bundesländer dem neuen Glücksspielstaatsvertrag Deutschlands zugestimmt. Es fehlt nur noch die Ratifizierungsurkunde von Sachsen-Anhalt, damit der Vertrag in trockenen Tüchern ist. Als zukünftiger Sitz der neuen Regulierungsbehörde muss das Bundesland zwingend sein Einverständnis geben, damit das Regelwerk am 1. Juli an Kraft treten kann. Es ist davon auszugehen, dass die Zustimmung Sachsen-Anhalts nur noch eine Frage der Zeit ist und dass Online Glücksspiel in Deutschland bald offiziell legal sein wird.

Zugleich werden kritische Stimmen laut, die der Legalisierung mehr als skeptisch entgegensehen und auch weiterhin Risiken für suchtgefährdete Spieler erkennen. In einer Kurzreportage hat sich der WDR mit dem Für und Wider des Glücksspielstaatsvertrags befasst.

Geht der Staatsvertrag die Probleme Spielsüchtiger an?

Die WDR-Reportage ging unter anderem der Frage nach, ob die Regelungen des Glücksspielstaatsvertrags die Risiken des Glücksspiels minimieren können. Während Befürworter des Staatsvertrags den legalen Markt für weniger gefährlich halten als den Schwarzmarkt, in dem Online Casinos bislang agierten, gibt es auch gegensätzliche Ansichten.

Große Kritik kam bei der Reportage von zwei ehemaligen Glücksspielsüchtigen, die das Reporterteam zu ihren Erfahrungen befragt hatte. Beide haben mehrere zehntausend Euro verloren und sind sich sicher, dass der Staatsvertrag keine große Veränderung bewirken wird. Beide gehen davon aus, dass Spielsüchtige auch weiterhin einen Weg finden, ihrer Sucht nachzugehen – und sei es durch die Anmeldung in illegalen Casinos.

Zu Wort kam bei der Reportage des WDR außerdem der Rechtsanwalt eines der beiden Glücksspielsüchtigen. Dieser ist der Meinung, dass aufgrund der bisherigen Illegalität der Online Casinos Spieler das Recht haben, ihre bisherigen Verluste zurückzubekommen. Auch wenn die Reportage offen lässt, ob der Anwalt die verlorenen Beträge für seinen Mandanten einklagen konnte, gibt es ein anderes Urteil, das wegweisend sein könnte. Jüngst hatte das Landgericht Gießen nämlich ein Online Casino dazu verurteilt, die Verluste eines Spielers zurückzuzahlen.

Suchtstellen und ihre Meinung zur Glücksspielbranche

Ähnlich wie die beiden Betroffenen, schätzt auch die Leiterin der nordrhein-westfälischen Landeskoordinierungsstelle Glücksspielsucht die Situation ein. Ihrer Meinung nach ist die Glücksspielbranche darauf ausgerichtet, ihr Geschäft mit „kranken Menschen“ zu machen. Außerdem unterstellt sie der Branche „Lobby-Geschäft wie aus dem Bilderbuch“. Lösungen für das Problem der Glücksspielsucht kann sie im neuen Glücksspielstaatsvertrag nicht erkennen.

Etwas anders sieht ein Mitarbeiter der Gauselmann Group, der in der Reportage ebenfalls zu Wort kommt, die Lage. Das familiengeführte Unternehmen ist seit vielen Jahren in der Automatenwirtschaft tätig und seit Langem ein Befürworter der Legalisierung und Regulierung des Online-Casino-Branche. Er sieht in der Regulierung des Online-Glücksspielsegments die Chance, attraktives Glücksspiel unter kontrollierten Bedingungen anzubieten.

Wenig Anreize für legales Spiel?

Die deutsche Online-Casino-Branche warnte bereits mehrfach vor den Folgen der Einschränkungen, die mit dem neuen Glücksspielstaatsvertrag einhergehen. Sie könnten die legalen Anbieter wenig attraktiv erscheinen lassen, sodass Spieler auch weiterhin auf illegale Online-Casinos setzen. Bald dürfte sich zeigen, wer mit seiner Meinung Recht behält.

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Über den Autor Avi Fichtner Mein Name ist Avi Fichtner und ich arbeite seit 12 Jahren im Bereich Glücksspiel. Ich habe mehrere große Informationsseiten aufgebaut und kenne mich bestens aus. Ebenfalls seit 12 Jahren beobachte ich die gescheiterten Regulierungsversuche in Deutschland und schreibe dazu.
Avi Fichtner Casino Experte & Autor   Mail