Markus Belz Redaktionsleiter

Veröffentlicht am: 03.11.2025

Handschlag zwischen zwei Personen in Anzügen, während im Hintergrund unscharf mehrere Menschen in einem geschäftlichen Umfeld zu sehen sind.

Sorgenkind Fußball: Steigende Abhängigkeit von Sponsorengeldern aus der Sportwetten Branche

Lesezeit: ca. 9 min
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Die Investitionen von Sportwettenanbietern in den Profi-Fußball sind in den letzten Jahren sprunghaft gestiegen und haben die Bedeutung privater Sponsorengelder für Vereine auf ein neues Niveau gehoben. Gleichzeitig wirft diese Entwicklung zahlreiche Fragen über finanzielle Abhängigkeiten, gesellschaftliche Risiken und die Rolle der Fußballvereine im Kontext der Glücksspielbranche auf. Während sich der Markt dynamisch verändert, entsteht eine einzigartige Gemengelage aus wirtschaftlichen Zwängen, regulatorischen Herausforderungen und wachsendem öffentlichem Druck.

Sportsponsoring im Fußball: Von Partnerschaften zu finanziellen Lebensadern

Sponsoren sind längst das finanzielle Rückgrat des modernen Fußballs. Weltweit werden mehr als 90 Milliarden Euro pro Jahr im Sportsponsoring umgesetzt, ein Großteil davon im Profifußball. Dabei zeigt sich in den führenden Ligen Europas – von der Premier League über die Bundesliga bis zur La Liga – ein deutliches Muster: Kaum eine Branche ist so präsent wie die Sportwettenanbieter.

Für Vereine stellen die Zuwendungen der Sponsoren eine der wichtigsten Einnahmequellen dar, insbesondere dann, wenn sie den Spagat im Wettbewerb mit finanzstarken Konkurrenten aus anderen Ligen meistern müssen. In der englischen Premier League liegt der Umsatz durch Sponsoring und Werbung bei rund 1,95 Milliarden Euro. Der FC Bayern München etwa erzielte durch Trikotsponsoren im Jahr 2023 rund 50 Millionen Euro. Ohne diese Einnahmen wäre es für viele Klubs kaum denkbar, sich dauerhaft an der Spitze zu halten oder finanziell stabil zu arbeiten.

Sportwettenanbieter verschaffen sich mit ihren Partnerschaften eine breite Sichtbarkeit in nationalen Ligen, internationalen Turnieren und medialen Übertragungen. Die Unternehmen investieren nicht nur als klassische Trikotsponsoren, sondern auch als Ärmelsponsoren, Stadionnamensgeber und bei digitalen Werbeformaten. Besonders deutlich wird diese Entwicklung in der Premier League, wo zeitweise bis zur Hälfte der Haupttrikotsponsoren aus der Glücksspielbranche stammte.

Die Verflechtung zwischen Fußball und Sportwetten: Status Quo in den europäischen Topligen

Während in England Sportwettenanbieter traditionell zu den wichtigsten Sponsoren zählen und in vielen Clubs prominent vertreten sind, spielt Glücksspiel-Sponsoring in Deutschland zwar ebenfalls eine wachsende Rolle, bleibt jedoch aufgrund strenger gesetzlicher Auflagen stärker reguliert. Besonders für Online Casinos mit deutscher Lizenz gelten hierbei enge Grenzen.

In der Premier League zeigten in der Saison 2022/23 acht Vereine ein Sportwettenunternehmen als Haupttrikotsponsor, was fast die Hälfte der Liga entsprach. In Frankreich und Spanien fiel die Anzahl geringer aus, mit jeweils zwei und einem entsprechenden Sponsor.

Italien und Deutschland hatten in dieser Hinsicht eine Sonderrolle: Während dort mehrere Millionen Euro pro Saison in Werbeverträge mit Sportwettenfirmen flossen, brachte es kein Club fertig, eine solche Marke als Haupttrikotsponsor auf der Trikotvorderseite zu platzieren. In Italien hat die Regierung bereits 2019 jedes Sponsoring im Zusammenhang mit Glücksspiel auf Vereinstrikots untersagt, Spanien folgte im Jahr 2021.

Ungeachtet der gesetzlichen Verbote bleibt der wirtschaftliche Druck laut und deutlich spürbar. Der Stellenwert des europaweiten Sponsorings durch Wettanbieter lässt sich am besten anhand der konkreten Summen illustrieren:

In der Saison 2023/24 erzielte Atlético Madrid durch seinen Hauptsponsoringvertrag mit Riyadh Air einen Betrag von 40 Millionen Euro. Newcastle United erhielt 29,3 Millionen Euro vom saudischen Staatsfondsunternehmen Sela. Von den zehn lukrativsten Abschlüssen in den europäischen „Big Five“-Ligen stammten vier aus dem Markt für Sportwetten.

Die Bundesliga und der deutsche Markt: Zwischen Regulierung und wachsenden Umsätzen

Innerhalb der Bundesliga ist die Präsenz von Sportwettenanbietern besonders auffällig, insbesondere abseits der Trikotvorderseiten. Mehr als 72 % der Erstligisten hatten zu Beginn der Saison 2023/24 mindestens einen Wettanbieter als Sponsor, selbst wenn das Firmenlogo nicht auf dem Trikot prangte. Fünf Erstligisten warben für Spielotheken oder Casinos, drei weitere für Lotterien.

In der zweiten Bundesliga ist diese Verbindung noch ausgeprägter. Dort warben 61 % der Klubs für Spielotheken oder Echtgeld Online Casinos, 33 % für Sportwettenanbieter und 17 % für Lotterien. Zu Saisonbeginn existieren lediglich sechs Vereine in beiden Bundesligen, die ohne Sportsponsoring aus der Glücksspielbranche agierten.

Zu den berühmtesten Glücksspiel-Sponsoren der zweiten Liga gehört die „Merkur Group“, ein Unternehmen, welches besonders von Slot Fans für beste Merkur Spiele online geliebt und geschätzt wird. Die wohl bekanntesten Zweitligavereine (Stand 2025) die Merkur unterstützt sind Fortuna Düsseldorf, FC Schalke 04 und SC Paderborn.

Weitere große Akteure auf dem deutschen Markt sind Tipico, Betano, bwin, Bet365 und Winamax. Tipico war bis 2025 Platin-Partner des FC Bayern München und setzte darüber hinaus auf Partnerschaften mit der Deutschen Fußball Liga und dem DFB-Pokal. Nach dem Ende des langjährigen Vertrags mit Bayern übernahm Betano als offizieller Wettpartner die Rolle.

Bet365 weitete 2025 sein Sponsoring auf den VfB Stuttgart und den Hamburger SV aus. Winamax trat als neuer Trikotsponsor bei Stuttgart in den Vordergrund. Verantwortungsvolles Spielen stand im Mittelpunkt der regulatorischen Anforderungen, die seit dem Glücksspielstaatsvertrag 2021 für alle Anbieter gelten.

Allerdings gibt es auch Gegenbewegungen. Traditionsvereine wie Mainz 05 und FC St. Pauli haben sich öffentlich gegen Partnerschaften mit Wettanbietern ausgesprochen und wollen ein Signal für verantwortungsbewusstes Handeln setzen.

Kritik, gesellschaftliche Risiken und Regulierungsinitiativen

Mit der rasanten Expansion der Wettbranche ins Sponsoring rücken auch kritische Fragen stärker in den Fokus. Immer mehr Stimmen aus Politik, Wissenschaft und Zivilgesellschaft halten das Engagement von Wettanbietern im Profifußball für problematisch. Hauptkritikpunkte sind die Förderung potenziell suchtgefährdenden Verhaltens, der Einfluss auf minderjährige Zuschauer und die gesellschaftliche Legitimation von Glücksspiel.

Statistische Erhebungen aus dem Jahr 2023 zeigen, dass der Anteil von Personen mit einer leichten bis schweren Glücksspielstörung im Bereich virtueller Automatenspiele bei 32,8 % lag, bei Live-Sportwetten lag der Wert bei 31,8 %. Kampagnen und Initiativen betonen die Gefahren von Spielsucht, und die Verbote in Italien und Spanien möchten genau diesen Risiken begegnen.

Dabei geraten die Vereine in einen Zwiespalt. Einerseits sind sie auf die Einnahmen aus dem Sponsoring dringend angewiesen. Andererseits droht ihnen ein erheblicher Imageschaden, sollten sie zu prominent mit der Glücksspielbranche kooperieren. In Deutschland gibt es keine grundsätzlichen Verbote, doch die Debatte über die moralische Vertretbarkeit dieser Partnerschaften wird intensiver geführt.

Die Politik hat mittlerweile in zahlreichen Ländern Beschränkungen erlassen. Im Vereinigten Königreich hat die Premier League mit den Klubs vereinbart, dass ab dem Ende der Saison 2025/26 das Glücksspiel-Sponsoring von der Vorderseite der Trikots verschwindet. In Spanien und Italien besteht ein weitreichendes Sponsoringverbot für Glücksspielunternehmen, das sowohl die Trikotwerbung als auch Bandenwerbung, Stadionnamen und Übertragungen im Fernsehen erfasst.

Kommerzielle Macht und globale Trends im Vergleich

Insgesamt bleibt festzuhalten, dass der Glücksspielsektor längst nicht nur auf nationaler, sondern vor allem auf internationaler Ebene das Gesicht des Fußballsponsoring prägt. Namhafte internationale Anbieter wie Bet365, bwin, Betano und Winamax engagieren sich länderübergreifend. Weltmarktführer wie Bet365 betreiben ein Netz von Partnerschaften, darunter Verträge mit europäischen Topklubs, globalen Wettbewerben wie der UEFA Champions League und der UEFA Europa League sowie einer Vielzahl von Ligen in Europa, Asien und Amerika.

Auch in den Vereinigten Staaten wachsen die Volumina rasant, seit zahlreiche Bundesstaaten Sportwetten legalisiert haben. Anbieter wie DraftKings, FanDuel, BetMGM oder Caesars agieren als offizielle Partner der NFL, NBA, NHL, MLB und MLS, eine Strategie, die sich maßgeblich von der europäischen Ausrichtung unterscheidet. In den USA dominieren offizielle Ligapartnerschaften und digitale Präsenz, während in Europa klassische Trikotsponsorings noch immer einen großen Teil der Wahrnehmung ausmachen.

Regulierungen sind auch in anderen Märkten auf dem Vormarsch, etwa in Österreich oder Frankreich. Gleichzeitig verändert sich der Charakter der Sponsoringverträge. Immer mehr Sponsoren nutzen digitale Kanäle und Social Media, um ihre Zielgruppen zu erreichen, unabhängig davon, ob ihre Logos auf der Trikotvorderseite erscheinen oder nicht.

Stadion-Namensrechte, Sponsoring-Churn und Marktdynamik

Das Sponsoring durch Wettanbieter erstreckt sich nicht nur auf die Trikotwerbung. Stadion-Namensrechte gewinnen ebenfalls zunehmend an wirtschaftlicher Bedeutung. In Österreich und Deutschland liegt der Anteil der Stadien mit gesponserten Namen bei 83 beziehungsweise 78 %. Hingegen behalten mehr als drei Viertel der Clubs in anderen europäischen Top-Ligen ihre traditionellen Stadionnamen.

Wettanbieter konzentrieren ihre Aktivitäten auf zahlreiche Kontaktpunkte rund um den Fußball. Neben Trikots sind dies unter anderem Ärmelsponsoring, Bandenwerbung, Partnerschaften auf der Team-Homepage oder die Präsenz bei Pokalwettbewerben. Bemerkenswert ist: 65 % der europäischen Topklubs hatten 2023 noch denselben Haupttrikotsponsor wie im Jahr zuvor.

Sportwettenfirmen fungieren vermehrt als Titelsponsoren von nationalen Pokalwettbewerben. Etwa 61 % dieser Wettbewerbe hatten 2023 einen Titelsponsor, bei 12 nationalen Pokalen nahm die Sportwettenindustrie diese Rolle ein.

Tabelle: Marktüberblick Sponsoring durch Sportwettenanbieter (Saison 2023/24)
Land / Liga Anteil Clubs mit Sportwetten-Sponsor (min.) Anzahl Clubs mit Haupttrikotsponsor Glücksspiel Wichtigste Sponsoren Sponsoring-Volumen Top-Deal (Mio. Euro) Besonderheiten
Premier League (ENG) 50% 8 BK8, Sbotop, W88 Aston Villa: 14,0 Ab 2026 Verbot der Trikot-Frontwerbung für Glücksspiel
Bundesliga (GER) 72% 1 (2023/24: VfB Stuttgart – Winamax) Tipico, Betano, Bet365, bwin Winamax: 6,5 Trikot-Front bisher außer bei Stuttgart tabu
La Liga (ESP) n/a 1 bwin n/a Striktes Werbeverbot seit 2021
Serie A (ITA) n/a 0 Komplettes Werbeverbot seit 2019
Ligue 1 (FRA) n/a 2 n/a n/a Mäßiger Wettsponsor-Anteil, keine Trikot-Frontdominanz
USA (MLB, NBA, NFL…) 100% (bei Ligadeals) DraftKings, FanDuel, BetMGM n/a Fokus auf Ligapartnerschaften und Digitalintegration

Wettwirtschaft und gesellschaftliche Verantwortung im Rampenlicht

Das Sponsoring durch Wettanbieter entfacht eine öffentliche Debatte, deren Dynamik in kaum einer anderen Sponsoringbranche so ausgeprägt ist. Verantwortungsbewusstes Spielen, etwa durch Aufklärungskampagnen der Verbände oder entsprechende Hinweise bei Werbeschaltungen, ist mittlerweile fester Bestandteil der vertraglichen Anforderungen. Der Glücksspielstaatsvertrag von 2021 schreibt für alle Sportwettenanbieter klare Regeln hinsichtlich Werbung und Prävention fest. Bundesweit wurden Initiativen gestartet, um Jugendlichen und besonders Schutzbedürftigen den Zugang zu riskanten Angeboten zu erschweren.

Der Markt für Sportwetten wird künftig gezwungen sein, Sponsoringstrategien fortlaufend an neue gesetzliche Rahmenbedingungen und gesellschaftliche Erwartungen anzupassen. Während einige Clubs und Verbände ein Zeichen für einen verantwortungsbewussten Umgang setzen, bleibt anderenorts die wirtschaftliche Notwendigkeit dominierend.

Die Abhängigkeit des Profi-Fußballs von den Geldern der Sportwettenindustrie wird noch länger eine Realität bleiben. Entscheidender als je zuvor sind klare Regeln, Transparenz und ein wachsendes Verantwortungsbewusstsein, damit sportlicher Erfolg, wirtschaftliche Stabilität und gesellschaftliche Verantwortung im Gleichgewicht bleiben.

Markus Belz - Redaktionsleiter bei onlinecasinosdeutschland.de
Markus Belz Redaktionsleiter bei
Markus Belz, geboren 1984 in Berlin, ist Redaktionsleiter bei onlinecasinosdeutschland.de und lebt in Frankfurt. Er liebt Radfahren, Fußball und Poker. Seine Leidenschaft für Glücksspiele begann in Las Vegas. Seit 2012 im Team, leitet er es seit 2014. Mit seinem Motto „Jeder ist seines Glückes Schmied“ liefert er verlässliche Infos über Online Casinos.

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