Vorwürfe gegen bet365: Verdacht auf Glücksspielgesetz-Verstöße in Deutschland
- bet365 ist in Deutschland offiziell lizenziert, unterliegt dem Glücksspielstaatsvertrag 2021 und muss strenge Regeln zu Spielerschutz, Limits, Werbung und Trennung von Wetten und Casino einhalten.
- Es gibt neue Vorwürfe (2026) zu möglichen Verstößen gegen Spielerschutzauflagen, Werberegeln und zur Nichtzahlung von gerichtlich zugesprochenen Rückerstattungen für Verluste aus der Zeit vor 2020.
- Rechtliche und gesellschaftliche Debatten dauern an, etwa zu Rückforderungsansprüchen alter Verluste, zur Rolle von Wettwerbung im Fußball und zu Risiken durch aggressive Bonusangebote und Smartphone-Wetten.
Der britische Buchmacher-Riese bet365 steht im Januar 2026 erneut im Fokus der deutschen Öffentlichkeit. Während der Anbieter offiziell lizenziert ist, werfen Berichte über angebliche Verstöße gegen regulatorische Auflagen Fragen zur aktuellen Rechtslage auf. Ein Überblick über den Status quo.
bet365: Offiziell in Deutschland lizenziert und reguliert
Grundlegend gilt: bet365 ist kein illegaler Anbieter. Das Unternehmen wird auf der offiziellen „Whitelist“ der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) geführt. Damit verfügt der Buchmacher über eine staatliche Erlaubnis, Online Sportwetten (und Echtgeld Slots) im gesamten Bundesgebiet anzubieten.
Für Spieler bedeutet das, dass der Wettanbieter strenge Auflagen zum Spielerschutz, zur Suchtprävention und zur Trennung von Wett- und Casinoangeboten erfüllen muss. Auch die Abführung der deutschen Sportwetten Steuer ist ein fester Bestandteil dieses legalen Rahmens.
Die regulatorische Basis: Glücksspielstaatsvertrag 2021
Rechtsgrundlage für die Tätigkeit von Glücksspielanbietern in Deutschland ist der Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021), der nach jahrelanger Rechtsunsicherheit eine einheitliche Regulierung für alle Bundesländer geschaffen hat.
Um eine deutsche Lizenz zu erhalten und zu behalten, müssen Anbieter umfangreiche Vorgaben erfüllen. Dazu gehört die Anbindung an das zentrale IT-System LUGAS, das das anbieterübergreifende monatliche Einzahlungslimit von 1.000 Euro überwacht und Mehrfachanmeldungen verhindern soll. Zudem sind Wettanbieter wie bet365 verpflichtet, die bundesweite Sperrdatei OASIS abzugleichen, sodass gesperrte Spieler keine Wetten platzieren können.
Ein weiterer Kernpunkt der Regulierung ist die strikte Trennung von Sportwetten- und Online-Casino-Angeboten. Der Glücksspielstaatsvertrag untersagt es ausdrücklich, im Bereich der Sportwetten für andere Glücksspielprodukte zu werben oder diese technisch mit Casinoangeboten zu verknüpfen. Diese Vorgabe gilt gleichermaßen für deutsche Casino Anbieter, die zusätzlich Sportwetten in ihrem Portfolio führen.
Begründete Vorwürfe gegen bet365
Trotz der gültigen Lizenz sorgt der führende Wettanbeter aktuell für Aufsehen. Es stehen Vorwürfe im Raum, nach denen bet365 gegen spezifische Bestimmungen des Glücksspielstaatsvertrags verstoßen haben könnte. Dabei geht es unter anderem um die Umsetzung von Suchtpräventionsmaßnahmen, Identitätsprüfungen sowie um die Einhaltung von Werbebeschränkungen.
Nichtzahlung von gerichtlich zugesprochenen Rückerstattungen
Ein zentraler Vorwurf betrifft den Umgang mit deutschen Gerichtsurteilen zu verlorenen Sportwetten vor 2020. Mehrere deutsche Gerichte haben in den vergangenen Jahren entschieden, dass Spieler Verluste zurückfordern können, wenn bet365 damals ohne gültige deutsche Lizenz tätig war.
In einem viel beachteten Fall wurde der Sportwettenanbieter von einem Gericht dazu verpflichtet, einem Wettspieler aus Köln rund 35.000 Euro zuzüglich Zinsen zu erstatten. Nach Angaben des Anwalts des Klägers soll bet365 die Zahlung trotz rechtskräftigen Urteils bislang nicht geleistet haben.
Malta als Schutzschild: Der Wettanbieter bet365 sitzt in Malta und beruft sich auf eine maltesische Sonderregelung („Bill 55“), die die Vollstreckung ausländischer Urteile erschweren soll. Juristen und EU-Politiker halten diese Praxis für möglicherweise EU-rechtswidrig. Entsprechende Verfahren laufen auf europäischer Ebene.
Verdacht auf Verstöße gegen Spielerschutzregeln
Dem Anbieter bet365 wird zudem vorgeworfen, zentrale Schutzvorgaben des Glücksspielstaatsvertrags nicht konsequent umzusetzen. So gilt in Deutschland ein monatliches Einzahlungslimit von 1.000 Euro, das nur in Ausnahmefällen und nach genauer Prüfung erhöht werden darf. Recherchen zufolge soll es bei bet365 möglich gewesen sein, dieses Limit mit wenigen Klicks auf 5.000, 10.000 oder sogar bis zu 30.000 Euro pro Monat anzuheben.
Darüber hinaus schreibt der Glücksspielstaatsvertrag eine strikte Trennung zwischen Sportwetten und Online-Casino-Angeboten vor. Laut den Recherchen soll im Sportwetten-Bereich jedoch direkt auf Casino Slots verwiesen oder zu diesen verlinkt worden sein. Experten werten dies als möglichen Verstoß gegen die deutschen Regulierungsvorgaben.
Das Erbe der Vergangenheit: Klagewelle hält an
Ein rechtliches Nachspiel hat bet365 vor allem wegen seiner Tätigkeit vor Oktober 2020. Da der Wettanbieter damals ohne explizite deutsche Lizenz (sondern nur mit EU-Lizenzen) operierte, betrachten viele deutsche Gerichte die damaligen Verträge als nichtig.
Zahlreiche Anwaltskanzleien unterstützen Betroffene weiterhin dabei, Verluste aus diesem Zeitraum zurückzufordern. Wer vor dem Inkrafttreten des neuen Glücksspielstaatsvertrags Geld verloren hat, kann unter bestimmten Voraussetzungen auf eine Rückerstattung hoffen. Die Frage der Verjährung ist dabei ein zentrales Thema; häufig wird eine zehnjährige Frist diskutiert.
Wachsende Kritik an Wettwerbung im Fußball
Parallel zur juristischen Debatte wächst die gesellschaftliche Kritik an Sportwetten-Sponsoring im Fußball. Fast alle Bundesligisten arbeiten inzwischen mit Wettanbietern zusammen, der Marktumsatz in Deutschland liegt bei mehreren Milliarden Euro jährlich.
Fanproteste, etwa gegen Sponsorenpartnerschaften, machen auf die Risiken von Glücksspielen aufmerksam. Experten schätzen, dass in Deutschland über eine Million Menschen ein problematisches Spielverhalten zeigen. Besonders die leichte Verfügbarkeit von Livewetten über Smartphones gilt als Risikofaktor.
Eine ähnliche Diskussion gibt es im Online Casino Bereich. Dort werben Casinos mit 10 EUR Einzahlung häufig mit hohen Bonusversprechen und täglichen Promotionen um neue Kunden. Kritiker sehen darin ein erhebliches Risiko für suchtgefährdete Spieler, da niedrige Einstiegshürden in Kombination mit aggressiven Anreizen problematisches Spielverhalten fördern können.
Vor diesem Hintergrund haben die zuständigen Regulierungsbehörden in den vergangenen Jahren die Bonusregelungen deutlich eingeschränkt und Obergrenzen für Werbeaktionen eingeführt, um den Spielerschutz zu stärken und übermäßige Anreize zu begrenzen.
Fazit für Spieler
Wer heute bei bet365 wettet, nutzt ein in Deutschland zugelassenes Angebot. Der Sportwettenanbieter unterliegt der hiesigen Aufsicht und Gerichtsbarkeit und gilt im Vergleich zu unregulierten Offshore-Seiten als deutlich sicherer.
Dennoch ist deutlich geworden, dass der legale Status kein Freifahrtschein ist. 2026 wird die Einhaltung von Spielerschutzauflagen, Werberegeln und technischen Limits so streng überwacht wie nie zuvor. Im Fokus stehen alle Wettanbieter und Online Casinos mit deutscher Lizenz. Für Spieler bleibt es ratsam, Limits und Schutzfunktionen bewusst zu nutzen und die laufenden regulatorischen Entwicklungen im Blick zu behalten.



