Was ist von Werbung von Anwälten zu halten, die versprechen, Verluste zurückzuholen?

Was ist von Werbung von Anwälten zu halten, die versprechen, Verluste zurückzuholen?

Das illegale Glücksspiel erweitert sich gefühlt täglich durch noch mehr Anbieter. Im Bereich der Online-Glücksspiele wird der jährliche Ertrag auf mehr als 730 Millionen Euro geschätzt. Viele Glücksspiele sind jedoch illegal. Nachdem der Glücksspielstaatsvertrag nun in Kraft ist, gibt es nur noch wenige Ausnahmen, die ein Glücksspiel legal machen.

Bis zu 10 Jahre kann ein Geschädigter seine Verluste aus Online-Glücksspielen rückwirkend zurückfordern. Auch bei Verlusten in Online Casinos, die vor dem Glücksspielstaatsvertrag am 01. Juli 2021 entstanden sind, ist dies möglich. Grund dafür ist, dass ein Großteil der Online-Glücksspiele verboten sind und die Geschädigten daher Recht zugesprochen bekommen. Doch was ist eigentlich von Werbung von Anwälten zu halten, die versprechen, Verluste zurückzuholen? Diese Frage stellen sich gerade Spieler, die bei einem legalen Online Casinos viele Verluste hinnehmen müssen.

Warum ist es möglich, Verluste beim Online Casino zurückzufordern?

In Deutschland war das Online-Glücksspiel nach § 284 StGB, § 4 Absatz 4 GlüStV bis zum Inkrafttreten des Glücksspielstaatsvertrages in den meisten Fällen illegal und somit haben ein Großteil der Online Casinos mit Echtgeld den Verbrauchern ein Angebot zur Verfügung gestellt, dass nicht rechtskräftig war. Aufgrund dessen hat der Verbraucher die Möglichkeit, von über 700 Online Casinos das Geld zurückzufordern.

Die meisten Casinos haben ihren Sitz im Ausland. Somit sind es Casinos ohne deutsche Lizenz. Diese Casinos machen dann oftmals auch Werbung mit einem „lizenziert in Europa“. Es handelt sich dabei um täuschende Werbung, da diese Siegel nicht aus Deutschland stammen. Diese Lizenzen sind in anderen Ländern anerkannt, jedoch nicht in Deutschland. Aufgrund dessen ist es recht schwierig, die Inhaber und Betreiber der Online Casinos zu belangen.

Wie kann das Geld zurückgefordert werden?

Es ist sinnvoller, die dort verwendeten Banken und Zahlungsdienstleister in die Verantwortung zu nehmen. Diese sind an den Zahlungen beteiligt. Daher sind die Erfolgsaussichten dahingehend recht hoch. Würden diese Anbieter ihre Unterstützung aus den entsprechenden Unternehmen herausnehmen, könnte der Betreiber des Online Casinos sein Geschäft nicht weiter betreiben. Es bestehen jedoch Verträge zwischen dem Inhaber des Online Casinos und dem des Zahlungsdienstleisters oder der Bank.

Werden die entsprechenden belastenden Belege vorgelegt, muss die Bank oder der Zahlungsdienstleister die Verbindlichkeiten des Kontoinhabers begleichen. Sowohl der Zahlungsdienstleister oder der Kreditkarteanbieter müssen im Gegenzug vom Betreiber des Casinos akzeptiert werden. Durch diese sogenannten Akzeptanzverträge bekamen solche Inhaber von Online Casinos erst die Möglichkeit, ihre Machenschaften und damit unter Umständen auch Betrug am Kunden zu begehen.

Die Mitwirkung an solchen Zahlungsvorgängen mit unerlaubtem Glücksspiel ist jedoch laut § 4 Abs. 1, S. 2 GlüStV verboten. Somit dürften diese Zahlungsvorgänge gar nicht erst stattfinden und der Anbieter des Zahlungsunternehmens müsste die Zahlungen ablehnen, wenn es sich um verbotenes Online-Glücksspiel handelt. Viele der Zahlungsanbieter kommen diesem Verbot aber nicht nach. Oftmals wird es ignoriert. Aufgrund dessen ist es als ehemaliger Kunde möglich, Rückzahlungsansprüche geltend zu machen. Auf diese Weise lässt sich verlorenes Geld wieder zurückholen.

Ist die Beteiligung an illegalen Glücksspielen strafbar?

Alle Beteiligten eines illegalen Glücksspiels können laut § 285 StGB unter Strafe gestellt werden. Ebenso trifft es auf die Banken und Zahlungsdienstleistungen laut § 4 GlüStV zu, welches streng genommen im § 134 des BGB geregelt ist. Sie müssen den Zahlungsverkehr verweigern. Aufgrund dessen haben Spieler die Möglichkeit von Banken und Zahlungsanbietern ihre verlorenen Spieleinsätze bei diesen zurückzufordern. Die Zeitspanne beträgt laut § 195 BGB drei Jahre.

Warum ist eine Lizenz im Online Casino wichtig?

Seit Juli 2021 ist das Online-Glücksspiel in Deutschland mit gesetzlichen Regulierungen festgeschrieben. Dies soll den Spielern Sicherheit bieten. Doch während in Deutschland alles streng geregelt ist, werben vor allem ausländische Anbieter mit einem deutlich höherem Gewinnpotenzial und einem größeren Spielangebot. Aufgrund der neuen Regelungen hat sich in der Branche des Glücksspiels eine Zwei-Klassen-Gesellschaft hervorgetan.

Das Ausland geht mit den Betreibern von Online Casinos deutlich entspannter um, die Regelungen sind bei diesen nicht so streng. Gerade im Bezug auf Steuern ist dies deutlich. Ebenso beim Angebot der Spiele, denn im Ausland sind sogenannte return-to-player-percentage (RTPs) zugelassen. Eine Casino Lizenz bringt für den Spieler eine höhere Sicherheit, sodass es sich selten um einen unseriösen Anbieter handelt.

Warum haben deutsche Online Casinos Nachteile durch den Glücksspielstaatsvertrag?

Nicht nur die Steuern sind für deutsche Online Casinos ein Nachteil. Der Glücksspielstaatsvertrag bringt einige Schwierigkeiten für die Anbieter mit sich, denn die Gesetzlage ist deutlich strenger geregelt als in der restlichen EU. Deutschland hat aufgrund der stetig wachsenden Anzahl von spielsüchtigen Menschen keine Live-Casinos mit Live-Dealern mehr. Dadurch weichen viele Spieler auf andere Casinos aus.

Ebenso bei den Einzahlungslimits, den Boni und den Freispielen sind die Online Casinos aus der EU deutlich attraktiver für viele Spieler. Ebenso gibt es dort keine Fünf-Sekunden-Regel oder die Regelung, dass zwischen zwei Spielen eine Mindestpause von einer Minute liegen muss. Jedoch sollten Spieler auch hierbei nicht auf ein Casino ohne Lizenz zurückgreifen, um auf der sicheren Seite zu sein.

Das Casino bewegt sich im Bereich des Illegalen, wenn es keinerlei Lizenz aufweisen kann und macht sich somit strafbar. Der Spieler wird sein Geld zwar zurückfordern können, jedoch ist dies ein zeitaufwendiges Unterfangen. Dem Risiko sollte man sich nicht bewusst aussetzen, da dies immer mit Zeit, Nerven und Geld verbunden ist. Zudem ist bei solchen Casinos nicht sicher, ob es sich bei den Spielen und den Gewinnchancen nicht um Betrug handelt.

Ist Werbung für Anwälte zulässig?

Bis 1987 galt ein generelles Werbeverbot für Anwälte. Doch so einfach, wie es auf den ersten Blick wirkt, ist die Werbung für einen Anwalt nicht. Grundsätzlich ist diese mit der Übereinstimmung des & 6 Abs. 1 BORA zulässig. Dabei muss jedoch drauf geachtet werden, dass die Werbung sachlich, berufsbezogen und nicht Mandatsgewinnend ausgerichtet ist.

Somit ist bei einer Werbung von Anwälten im Bereich der Verlustrückgewinnung bei Online Casinos darauf zu achten, dass die Werbung nicht penetrant ist und keine Versprechen gegeben werden, die der entsprechende Anwalt nicht einhalten kann.

Fazit

Aufgrund der gesetzlichen Grundlage ist es Anwälten, die auf solche Gebiete spezialisiert sind, möglich, das verloren geglaubte Geld zurückzuholen, wenn die Voraussetzungen erfüllt sind. Die Gesetze wurden dafür im neuen Glücksspielstaatsvertrag festgehalten. Dieser wurde erstellt, um künftig Betrug und eine aufkommende Spielsucht bei Spielern zu vermeiden.

Avi Fichtner Casino Experte & Webmaster
  • Staatsangehörigkeit:Schweiz
  • Lieblings Spiele:Online Roulette, Baccara
  • Geburtstag:August 1978
  • Schreibt über:Rechtliches
Gründer und einer der Autoren von onlinecasinosdeutschland.de. Avi Fichtner ist bereits seit 12 Jahren in Sachen Online Glücksspiel unterwegs. Angefangen hat alles eigentlich mit der Leidenschaft für Spielbanken und Interesse an der verzwicken rechtlichen. Mehr Infos über Avi.