Verantwortungsvoller Umgang mit Glücksspiel
Glücksspielsucht ist so alt wie das Spiel um Geld selbst und sie kann jeden Spieler treffen. Wer regelmäßig in Online Casinos und Spielotheken spielt, sollte die ersten Anzeichen kennen, die typischen Risiken einschätzen können und wissen, welche Hebel ein Abrutschen in problematisches Verhalten verhindern.
Auf dieser Seite findest du eine vollständige Übersicht zur Spielsuchtprävention, von den ersten Warnsignalen über technische Schutzmaßnahmen bis hin zu konkreten Verhaltensregeln für verantwortungsvolles Spielen. Außerdem zeigen wir, wo Betroffene und Angehörige in Deutschland zuverlässig Hilfe finden.
Was ist Spielsucht?
Spielsucht wird medizinisch als pathologisches Spielen bezeichnet. Sie ist seit 2013 offiziell als Verhaltenssucht im internationalen Diagnosehandbuch ICD-11 ⬇️ anerkannt und wird außerdem im DSM-5 ⬇️ geführt. Betroffene können dem Drang zu spielen nicht mehr widerstehen, obwohl das Verhalten finanzielle, soziale oder gesundheitliche Schäden verursacht.
Anders als eine Suchterkrankung im Zusammenhang mit Substanzen ist die Glücksspielsucht von außen schwer erkennbar, weil kein Stoff im Körper Spuren hinterlässt. Genau darin liegt die Gefahr, denn das Umfeld bemerkt die Erkrankung oft erst dann, wenn finanzielle Folgen sichtbar werden.
Wie wird problematisches Spielverhalten definiert?
Wann aus harmloser Unterhaltung am Slot oder bei der Sportwette eine ernsthafte Suchterkrankung wird, ist heute medizinisch klar definiert. Zwei diagnostische Standardwerke geben den verbindlichen Rahmen vor, nämlich das ICD-11 der Weltgesundheitsorganisation und das DSM-5 der American Psychiatric Association.
Beide Systeme arbeiten mit festen Kriterien, Zeiträumen und Schweregraden, sodass Ärzte, Therapeuten und Krankenkassen weltweit auf einer einheitlichen Grundlage urteilen können. Die folgenden Abschnitte fassen die Definitionen beider Klassifikationen kompakt zusammen.
Glücksspielstörung im ICD-11 der WHO
Das ICD-11 ist die elfte Ausgabe der Internationalen Klassifikation der Krankheiten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und gilt seit Januar 2022 als weltweit verbindliches Diagnosesystem für Ärzte, Therapeuten, Krankenkassen und Versicherungen. Die Glücksspielstörung wird darin unter dem Code 6C50 als anerkannte Verhaltenssucht geführt. Damit steht sie medizinisch auf einer Stufe mit substanzbezogenen Abhängigkeiten wie Alkohol- oder Opioidkonsum.
Eingeordnet ist sie in der neuen Kategorie “Störungen durch süchtiges Verhalten”, die im Vorgänger ICD-10 in dieser Form noch nicht existierte und das pathologische Spielen lediglich als Impulskontrollstörung führte.
⚠️ Eine Glücksspielstörung liegt laut ICD-11 vor, wenn ein anhaltendes oder wiederkehrendes Spielverhalten über mindestens zwölf Monate hinweg drei zentrale Merkmale aufweist:
| Kernmerkmal | Was bedeutet das? | Typische Anzeichen |
|---|---|---|
| Kontrollverlust | Betroffene Personen können Beginn, Häufigkeit, Intensität, Dauer und Beendigung einzelner Sessions nicht mehr steuern. | Sessions dauern viel länger als geplant, die Einsätze werden spontan erhöht, das Spielen lässt sich trotz Vorsatz nicht beenden. |
| Hohe Priorität | Das Glücksspiel rückt über andere Lebensinteressen und verdrängt Beruf, Familie, Freundschaften oder bisherige Hobbys. | Termine und soziale Treffen werden abgesagt, die Gedanken kreisen ständig um die nächste Runde. |
| Fortsetzung trotz Folgen | Das Spielverhalten wird trotz spürbarer negativer Konsequenzen finanzieller, beruflicher, gesundheitlicher oder sozialer Art beibehalten oder gesteigert. | Trotz Schulden, Schlafmangel, Streit mit Angehörigen oder Jobproblemen werden die Einsätze weiter erhöht (“Chasing”). |
Was ist Chasing beim Glücksspiel?
Chasing (kurz für “loss chasing”) ist der Versuch, bereits verlorenes Geld durch sofortiges Weitermachen zurückzugewinnen. Statt nach einem Verlust aufzuhören, erhöht die Person ihre Einsätze in der Hoffnung, das Minus auszugleichen. Klinisch gilt Chasing als eines der stärksten Warnsignale für problematisches Spielverhalten, weil es den Kontrollverlust und das emotionale Spielen am deutlichsten zeigt.
Die WHO unterscheidet drei Sonderformen von schädigendem Spielverhalten:
- Unter 6C50.0 läuft die überwiegend offline ausgeübte Glücksspielstörung, etwa in Spielhallen, Spielbanken, Wettbüros oder klassischen Lottoannahmestellen.
- Code 6C50.1 erfasst die überwiegend online ausgeübte Variante, bei der Casino-, Sportwetten- oder Pokerangebote im Internet im Mittelpunkt stehen. Diese Form hat seit Mitte der 2010er Jahre stark zugenommen, weil mobile Endgeräte einen permanenten Zugriff erlauben und die Hemmschwelle beim kontaktlosen Spielen sinkt.
- Code 6C50.Z bezeichnet ein Spielverhalten, das sich nicht eindeutig einer der beiden Formen zuordnen lässt.
Ergänzend kennt das ICD-11 den Code QE21 für riskantes Glücksspielverhalten, der eine Vorstufe mit erhöhtem Schadenspotenzial beschreibt und noch keine eigenständige Diagnose darstellt. Klar abzugrenzen ist die Computerspielstörung (Gaming Disorder) unter Code 6C51, die sich auf Video- und Onlinespiele ohne Geldeinsatz bezieht und als eigene Verhaltenssucht gilt.
Glücksspielstörung im DSM-5 der APA
Bei DSM-5 handelt es sich um die fünfte Auflage des “Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders” der American Psychiatric Association (APA). Erschienen ist es 2013 und wurde 2022 als Textrevision DSM-5-TR aktualisiert. In Deutschland wird offiziell nach ICD-11 gearbeitet, aber das DSM-5 prägt die internationale psychiatrische Forschung und liefert die Grundlage der meisten Selbsttests.
Mit der Fünferauflage wurde das frühere “pathologische Spielen” in “Gambling Disorder” umbenannt und aus dem Kapitel der Impulskontrollstörungen in die Sektion “Substanzbezogene und Suchtstörungen” verschoben. Eine Diagnose setzt voraus, dass innerhalb von zwölf Monaten mindestens vier der folgenden neun Kriterien erfüllt sind.
| Kriterium | Was bedeutet das? | Typische Anzeichen |
|---|---|---|
| Toleranzentwicklung | Es braucht zunehmend höhere Einsätze, um die gewünschte Aufregung bei den Spielsessions zu erreichen. | Anfangs reichen kleine Beträge, später nur noch dreistellige Einsätze für denselben Reiz. |
| Entzugssymptome | Beim Versuch, die Spielzeit zu reduzieren oder zu beenden, treten Unruhe oder Reizbarkeit auf. | Nervosität, Schlafprobleme oder Gereiztheit in spielfreien Stunden. |
| Erfolglose Kontrollversuche | Wiederholte Anläufe, das Spielverhalten zu drosseln oder einzustellen, scheitern. | Selbstauferlegte Pausen oder Limits werden nach kurzer Zeit gebrochen. |
| Gedankliche Vereinnahmung | Das Glücksspiel beschäftigt die Gedanken auch außerhalb der Sessions stark. | Pläne für die nächste Runde, Erinnerungen an Gewinne und Strategien zur Geldbeschaffung dominieren den Alltag. |
| Spielen bei belastenden Gefühlen | Glücksspiel wird gezielt eingesetzt, um Angst, Schuld, Hilflosigkeit oder Depression zu betäuben. | Glücksspiel nach Streit, beruflichem Stress oder in einsamen Phasen. |
| Chasing | Nach Verlusten wird weitergespielt, um das verlorene Geld zurückzugewinnen. | Sofortige Wiedereinzahlung am selben oder darauffolgenden Tag mit erhöhten Einsätzen. |
| Lügen über das Spielen | Angehörige, Partner oder Therapeuten werden über Umfang und Verluste getäuscht. | Geheime Konten, falsche Angaben zu Spielzeiten oder versteckte Kontoauszüge. |
| Gefährdung wichtiger Bereiche | Beziehungen, Arbeitsplatz, Ausbildung oder Karrierechancen werden durch das Glücksspiel riskiert oder verloren. | Kündigung, Trennung oder Studienabbruch infolge des Spielverhaltens. |
| Finanzielle Abhängigkeit von Dritten | Andere müssen einspringen, um durch das Spielen verursachte finanzielle Notlagen zu beheben. | Kredite, Bürgschaften oder Privatdarlehen von Eltern, Partnern oder Freunden zur Schuldentilgung. |
Im DSM-5 Handbuch sind drei Schweregrade definiert. Bei vier oder fünf erfüllten Kriterien spricht die APA von einer leichten, bei sechs oder sieben von einer mittelgradigen und bei acht oder neun von einer schweren Glücksspielstörung.
Hinzu kommen zwei Verlaufsformen. Bei der episodischen Variante wechseln symptomatische Phasen und mehrmonatige Pausen ab, bei der persistierenden bestehen die Symptome über Jahre kontinuierlich fort.
⚠️ Von früher Remission ist die Rede, wenn drei bis zwölf Monate lang kein Kriterium mehr erfüllt war, von anhaltender Remission ab zwölf Monaten Symptomfreiheit.
Die 4 Phasen der Glücksspielsucht
Suchtforscher unterteilen den Verlauf einer Glücksspielsucht in vier typische Abschnitte, die nicht jeder Betroffene linear durchläuft, die aber als Orientierung helfen.
- Die Gewinnphase ist geprägt von ersten Erfolgsmomenten, die das Selbstbild des Spielers prägen. Bereits hier setzt eine selektive Erinnerung ein, Gewinne bleiben präsent, Verluste werden ausgeblendet.
- In der Verlustphase wendet sich das Blatt, der Betroffene beginnt hinter Verlusten herzulaufen, erhöht die Einsätze und verbirgt sein Verhalten vor dem Umfeld.
- Die Verzweiflungsphase ist durch finanzielle Schieflage gekennzeichnet, oft tauchen erste Schulden, Kreditaufnahmen oder Konflikte mit Familie und Arbeitgeber auf.
- In der Resignationsphase erlebt der Spieler einen tiefen Kontrollverlust, häufig kommen Depressionen, soziale Isolation oder sogar Suizidgedanken hinzu. Spätestens in dieser Phase ist professionelle Hilfe zwingend nötig, sinnvoll ist das Eingreifen aber schon viel früher.
Wie viele Menschen sind in Deutschland betroffen?
Zur Verbreitung von ungesundem Spielverhalten gibt es zahlreiche Studien und Umfragen. Der Glücksspiel-Survey 2025 liefert aktuelle und belastbare Überblicke. Es ist die aktuellste repräsentative Erhebung zum Spielverhalten der erwachsenen Bevölkerung in Deutschland und wird im Zweijahresrhythmus fortgeschrieben.
Für den Survey hat das Institut für interdisziplinäre Sucht- und Drogenforschung (ISD Hamburg) gemeinsam mit der Universität Bremen insgesamt 12.340 Personen im Alter von 16 bis 70 Jahren befragt. Rund zwei Drittel der Interviews (8.006) liefen telefonisch ab. Das restliche Drittel (4.334) wurde online erhoben. Das Screening auf Probleme beim Glücksspielverhalten erfolgte bei den Befragten anhand der neun Kriterien des DSM-5.
- 36,4% der Befragten haben in den vergangenen zwölf Monaten an mindestens einem Glücksspiel um Geld teilgenommen.
- Männer spielen mit 40,4% deutlich häufiger als Frauen mit 32,4%.
- An riskanten Spielformen wie Automatenspielen, Kasinospielen, Sportwetten oder KENO beteiligten sich 7,5% der Befragten.
Eine glücksspielbezogene Störung nach DSM-5 weisen 2,2% der erwachsenen Bevölkerung auf, davon 0,9% in leichter, 0,6% in mittelschwerer und 0,6% in schwerer Ausprägung. Weitere 5,5% erfüllen ein bis drei Kriterien und zeigen damit ein potenziell riskantes Spielverhalten. Männer sind mit 3,2% rund dreimal so häufig betroffen wie Frauen mit 1,1%.
⚠️ Im Vergleich zu den Vorerhebungen 2021 (2,3%) und 2023 (2,4%) bewegt sich die Quote von aktuell 2,2% auf weitgehend stabilem Niveau.
Schädigende Spielweise: Ursachen und Risikofaktoren
Schädigendes Spielverhalten hat in den seltensten Fällen eine einzelne Ursache. Meist wirken mehrere Faktoren zusammen, die sich gegenseitig verstärken.
- Psychologische Auslöser spielen eine entscheidende Rolle. Wer unter Depressionen, Angststörungen, ADHS oder einer ohnehin niedrigen Impulskontrolle leidet, ist statistisch stärker gefährdet. Glücksspiel wirkt in diesen Fällen wie eine Selbstmedikation, die negative Gefühle kurzfristig betäubt.
- Biologisch betrachtet schüttet das Gehirn beim Spielen Dopamin aus, der Belohnungsreiz entsteht bereits bei knappen Verlusten, weshalb das Gehirn paradoxerweise auch aus Misserfolg eine Spielmotivation zieht.
- Soziale Faktoren wie Einsamkeit, finanzielle Schwierigkeiten, ein neuer Schicksalsschlag oder das Vorbild eines spielenden Familienmitglieds erhöhen das Risiko zusätzlich.
- Genetische Veranlagung wird in der Forschung diskutiert, denn in Familien mit suchtbelasteten Angehörigen tritt pathologisches Spielen häufiger auf.
Die spielartspezifischen Risiken sind ebenfalls nicht zu unterschätzen. Slots mit kurzer Spielfrequenz, hoher Trefferdichte und sofortiger Auszahlungswahrnehmung haben grundsätzlich ein höheres Suchtpotenzial als zum Beispiel Lotterien mit wöchentlicher Ziehung.
9 Tipps für verantwortungsbewusstes Spielen
Trotz vielfältiger Risikofaktoren und Verstärker hast du es in erster Linie du selbst in der Hand, eine verantwortungsbewusste Spielweise zu realisieren. Die folgenden Tipps haben sich in der professionellen Beratung bewährt und lassen sich von jedem Spieler unkompliziert umsetzen.
1️⃣ Setze ein festes Budget vor dem Start
Bevor du überhaupt loslegst, sollte ein klarer Betrag feststehen, den du für das Spielen ausgeben willst. Dieser Betrag muss aus frei verfügbarem Geld bestehen. Es darf also weder aus der Miete noch aus dem Lebensunterhalt oder dem Notgroschen kommen. Ein gängiger Richtwert sind maximal 5% des monatlichen Einkommens. Ist das Budget aufgebraucht, beendest du die Session – unabhängig vom aktuellen Spielverlauf.
Spielbudget-Rechner
Trage dein monatliches Nettoeinkommen ein. Der Rechner zeigt dir, wie viel Geld du maximal fürs Glücksspiel einplanen solltest.
Wichtig: Das Budget darf ausschließlich aus Geld bestehen, das für keine weiteren Ausgaben geplant ist.
2️⃣ Plane das Zeitfenster
Setze vor dem Spielen einen Zeitraum von 30, 60 oder 90 Minuten fest und sichere diesen mit einem Wecker oder Reality-Check ab. So vermeidest du, dass aus einer kurzen Runde ein nächtlicher Marathon wird. Hast du das Sessionlimit erreicht, siehst du den Spieltag als beendet an, auch wenn die letzte Runde gerade gut lief.
3️⃣ Lege aktiv Pausen ein
Längere Spielphasen ohne Unterbrechung machen anfällig für unbedachte Entscheidungen. Alle 30 Minuten solltest du eine Pause von mindestens fünf Minuten einlegen. Idealerweise verbringst du die Pause mit Blick weg vom Bildschirm und einem Getränk. Das hilft dem Gehirn, den Tunnelblick aufzulösen und realistische Einschätzungen wieder möglich zu machen.
4️⃣ Jage niemals Verlusten nach
Chasing zählt zu den gefährlichsten Verhaltensmustern im Glücksspiel. Wer nach einem Verlust den Einsatz erhöht, in der Hoffnung, das Geld zurückzugewinnen, läuft fast immer tiefer in die Negativbilanz. Verluste gehören zum Glücksspiel und sind der Preis für die Unterhaltung. Wer sie als Schuld betrachtet, die einzutreiben ist, verstärkt das Suchtrisiko erheblich.
5️⃣ Spiele nüchtern und ausgeruht
Alkohol, Müdigkeit, Stress oder emotionale Aufregung schwächen die Selbstkontrolle. Wenn du nach einem Streit, nach einer langen Arbeitsschicht oder unter Drogeneinfluss spielst, triffst du schlechtere Entscheidungen. Eine simple Regel lautet, mit dem Glücksspiel nur dann zu beginnen, wenn du auch eine wichtige E-Mail klar formulieren könntest.
6️⃣ Führe ein Spielprotokoll
Hältst du jede Session mit Datum, Dauer, Einsatz und Ergebnis in einer Tabelle fest, siehst du über Wochen ganz genau, wohin das Geld fließt. Die meisten Spieler überschätzen Gewinne und unterschätzen Verluste in der Erinnerung. Ein nüchterner und unbeschönigter Blick auf die Zahlen am Monatsende bietet dir den besten Realitätscheck, den es gibt.
Vorlage Spielprotokoll zum Download
Wir haben für dich eine Protokoll-Vorlage zum Herunterladen in Form einer Excel-Datei bereitgestellt. Dort kannst du unter anderem Spieldauer, Gewinne und Verluste sowie Kommentare eintragen und deine Spielverläufe immer im Blick behalten.
7️⃣ Betrachte Glücksspiel niemals als Einkommensquelle
Spielautomaten arbeiten mit fest eingestellten Auszahlungsquoten unter 100 Prozent. Langfristig gewinnt also das Casino, mathematisch ist das ein Naturgesetz. Wer auf Gewinn als Einkommensbestandteil hofft, hat den Charakter des Spiels missverstanden. Glücksspiel ist Unterhaltung mit Kostenaufwand, vergleichbar einem Kinobesuch oder Konzertticket.
8️⃣ Pflege andere Hobbys
Sobald Glücksspiel die Hauptfreizeitaktivität wird, steigt das Risiko, dass es ins Problematische kippt. Sport, Lesen, Freunde treffen, Hobbys oder Lernen gehören in jeden Wochenplan, gerade wenn regelmäßig gespielt wird. Wer ein dichtes soziales Netz und Alternativen zur Bildschirmunterhaltung hat, gerät deutlich seltener in eine Spielsucht.
9️⃣ Sprich offen mit Vertrauenspersonen
Heimlichkeit ist ein klassisches Warnsignal. Wenn du offen mit Partner, Familie oder engen Freunden darüber sprichst, wie viel und wann du spielst, hast du von Anfang an eine Außenperspektive, die Entgleisungen früh erkennt. Schon der Vorsatz, jede Session vorher anzukündigen, diszipliniert das eigene Verhalten.
Schutz Minderjähriger vor Spielsucht
Glücksspiele sind in Deutschland ab 18 Jahren erlaubt. Regulierte Glücksspielanbieter mit deutscher Lizenz müssen die Identität und das Alter jedes Spielers per KYC-Verfahren prüfen, bevor eine Anmeldung im Casino oder beim Buchmacher möglich ist.
Trotzdem bleibt Jugendschutz vor allem eine Aufgabe für Eltern und Erziehungsberechtigte. Studien zeigen, dass früher Kontakt zu Glücksspiel oder glücksspielähnlichen Spielelementen wie Lootboxen in Videospielen das spätere Suchtrisiko erhöht.
- Eltern sollten offen über Geld, Risiko und Wahrscheinlichkeiten reden, statt das Thema zu tabuisieren.
- Auf dem Familiengerät empfehlen sich Jugendschutzfilter oder die integrierten Schutzfunktionen in Windows und macOS, die den Zugriff auf Glücksspielangebote sperren.
- Auch ein DNS-Filter, der im Grunde ein automatischer Türsteher fürs Internet ist, lässt sich kostenfrei einrichten.
➡️ Wie das KYC-Prinzip funktioniert, verrät der Artikel von IDNow.
➡️ Willst du wissen, was ein DNS-Filter macht und wie du ihn einrichtest, dann hilft dir der Artikel von CloudFlare weiter.
Technische Schutzmaßnahmen im Online Casino
Auch die Glücksspielanbieter tun einiges, um verantwortungsbewusstes Spielen zu ermöglichen und zu unterstützen. Online Spielotheken und Wettanbieter mit deutscher Lizenz sind gesetzlich verpflichtet, mehrere technische Schutzwerkzeuge bereitzustellen. Wer diese Werkzeuge bewusst nutzt, senkt das Risiko einer Glücksspielsucht noch zusätzlich.
- OASIS-Sperrdatei: OASIS steht für das anbieterübergreifende Spielersperrsystem. Wer dort gesperrt ist, kann bei keinem lizenzierten deutschen Glücksspielanbieter mehr spielen. Die Sperre lässt sich freiwillig beantragen oder wird auf Antrag eines Angehörigen geprüft. OASIS gilt als wirksamstes Schutzwerkzeug am deutschen Glücksspielmarkt.
- Einzahlungslimit: Pro Spieler gilt in Deutschland ein anbieterübergreifenden Limit von 1.000€ pro Monat. Dieses Limit wird über das System LUGAS verwaltet und greift automatisch, sobald ein Spielerkonto in einem lizenzierten Casino eingerichtet wird.
- Verlust- und Einsatzlimit: Zusätzlich zum Einzahlungslimit lassen sich in den meisten Fällen Verlustlimits pro Tag, Woche oder Monat festlegen. Wird der gewählte Verlustbetrag erreicht, sperrt das System weitere Einsätze automatisch. Bei Slots gilt zudem ein gesetzlicher Maximaleinsatz von 1€ pro Drehung, der nicht überschritten werden darf.
- Zeitlimit und Reality-Check: Ein Sessionlimit beendet die laufende Spielsession nach der vorab gewählten Dauer automatisch. Reality-Checks unterbrechen den Spielfluss in festgelegten Abständen, üblich sind alle 30 oder 60 Minuten. Diese kurze Unterbrechung reicht oft aus, um aus dem Spielsog herauszufinden und nüchtern zu entscheiden.
- Panik-Button und Selbstausschluss: Über den Panik-Button lässt sich das Konto mit einem Klick für 24 Stunden sperren. Diese Funktion ist gesetzlich vorgeschrieben und im Hauptmenü jedes lizenzierten Anbieters erreichbar. Für längere Pausen steht der Selbstausschluss parat, der für Tage, Wochen oder Monate gesetzt werden kann. Während der Sperre sind weder Login noch Einzahlungen möglich.
Weiterführende Informationen
➡️ Hier erfährst du alles Wichtige über Zentraldateien von LUGAS
➡️ Die GGL erklärt auf ihrer Webseite alles rund um die Sperrdatei OASIS
Wo finden Betroffene Hilfe?
Glücklicherweise gibt es in Deutschland zahlreiche kostenfreie und anonyme Anlaufstellen für Betroffene. Spielsucht ist eine anerkannte Krankheit, deren Behandlung von Krankenkassen und Rentenversicherungsträgern übernommen wird. Scham ist also kein Grund zu warten. Die folgende Übersicht zeigt die wichtigsten Hilfsangebote auf einen Blick:
| Anlaufstelle | Wie sie hilft |
|---|---|
| BIÖG Beratungstelefon Sucht | Kostenfreie und anonyme telefonische Erstberatung des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit (ehemals BZgA) unter 0800 1 372 700. Erste Anlaufstelle bei akuten Fragen. |
| check-dein-spiel.de | BIÖG-Portal speziell für Glücksspielsucht mit anonymer E-Mail- und Chat-Beratung, Selbsttest und einem geschützten Forum für Betroffene und Angehörige. |
| Sucht- und Drogenhotline | Telefonische Beratung rund um die Uhr, anonym und an sieben Tagen die Woche erreichbar. Hilft auch akut in der Nacht oder am Wochenende. |
| Caritas Suchtberatung | Bundesweites Netz lokaler Beratungsstellen mit persönlichen Gesprächen vor Ort und Online-Beratung. In der Regel kostenfrei und konfessionsunabhängig. |
| Diakonie Suchthilfe | Suchtberatung der evangelischen Wohlfahrtspflege, deutschlandweit verfügbar, persönlich und online. Offen für Menschen jeder Konfession. |
| Anonyme Spieler | Bundesweite Selbsthilfegruppe nach dem 12-Schritte-Modell. Wöchentliche Treffen vor Ort in vielen Städten sowie online, kostenlos und anonym. |
Gibt es Hilfe für Angehörige?
Familie, Partner und Freunde leiden oft genauso wie die Betroffenen, manchmal sogar stärker. Wichtig ist zunächst, die eigenen finanziellen Grenzen klar zu ziehen, keine Spielschulden zu übernehmen und kein Geld weiterzureichen, das in das Spielsystem zurückfließt.
Angehörige sollten Beratung durch spezialisierte Suchtberatungsstellen in Anspruch nehmen, da diese auch ohne den Betroffenen wirksam unterstützen. Wer dem Betroffenen helfen möchte, sollte ohne Vorwürfe sprechen, konkrete Beobachtungen statt Vermutungen schildern und vor allem geduldig sein.
Selbsttest: Bin ich gefährdet?
Wenn du unsicher bist, ob dein Spielverhalten noch im grünen Bereich liegt, dann kannst du auf der Webseite check-dein-spiel.de einen kostenlosen und anonymen Selbsttest absolvieren. Der Test besteht aus rund 20 Fragen zum bisherigen Spielverhalten und liefert eine erste Einschätzung mit Empfehlung.