Netzbetreiber müssen illegale Glücksspielanbieter sperren
- Internetanbieter wie Telekom, Vodafone und 1&1 müssen ab Mai 2026 unerlaubte Glücksspielseiten per DNS-Sperre blockieren.
- Auslöser ist ein Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom März 2025, das die Länder mit einer Änderung im Glücksspielstaatsvertrag beantwortet haben.
- Technisch versierte Spieler umgehen DNS-Sperren mit einem VPN oder einem anderen DNS-Server, ein Schlupfloch bleibt also offen.
Deutschland zieht beim Kampf gegen den Glücksspiel-Schwarzmarkt eine neue Saite auf. Seit Mai 2026 sind erstmals die großen Internetanbieter selbst in der Pflicht, den Weg zu unlizenzierten Anbietern zu kappen. Was lange am fehlenden Paragrafen scheiterte, hat jetzt eine klare gesetzliche Grundlage bekommen.
Warum Provider jetzt in die Pflicht kommen
Für lange Zeit stand die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) mit leeren Händen da. Am 19. März 2025 entschied das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig, dass der Behörde die Rechtsgrundlage fehlte, um Zugangsanbieter wie Telekom oder Vodafone zu Sperren zu zwingen. Die GGL durfte illegale Seiten zwar benennen, blieb beim Durchgreifen aber alles in allem zahnlos.
Diese Lücke haben die Länder mit einer Anpassung des Glücksspielstaatsvertrags geschlossen. Die Details des Verfahrens hat die Behörde in einer eigenen Mitteilung zum Urteil dargelegt.
DNS-Sperre statt IP-Sperre, der feine Unterschied
Gesperrt wird über das sogenannte DNS-Verfahren, also über das Adressbuch des Internets, das Klarnamen in Serveradressen übersetzt. Diese Methode gilt als treffsicherer und risikoärmer als eine IP-Sperre, bei der ganze Server samt unbeteiligter Seiten lahmgelegt werden könnten. Die Anbieter müssen die Sperrlisten der GGL einbinden und regelmäßig aktualisieren.
Wer sich weigert, riskiert empfindliche Zwangsgelder von bis zu 500.000€, bemessen an der finanziellen Leistungsfähigkeit des Unternehmens. Welche Werkzeuge der Behörde dabei zur Verfügung stehen, fasst die FAQ-Seite der GGL zu Netzsperren zusammen. Eine ausführliche Einordnung der neuen Provider-Pflicht liefert auch der NR-Kurier.
Wo die Sperren an ihre Grenzen stoßen
Eine Mauer ist die DNS-Sperre nicht. Wer einen VPN-Dienst nutzt oder in den Einstellungen einen alternativen DNS-Server hinterlegt, hebelt die Blockade mit wenigen Klicks aus. Genau hier liegt die Schwachstelle des Modells. Die Sperre betrifft vor allem Gelegenheitsspieler, die zufällig auf einer dubiosen Seite landen, während hartnäckige Nutzer weiter ungehindert auf den Schwarzmarkt zugreifen.
Trotzdem ist die Regelung ein Hebel, der den illegalen Anbietern den bequemen Zustrom neuer Kundschaft erschwert. Wer auf Nummer sicher gehen will, bleibt ohnehin besser bei geprüften und legalen Anbietern aus unserem Test. Ob die Netzsperren den Schwarzmarkt spürbar austrocknen oder nur dessen Ränder anknabbern, wird sich in den kommenden Monaten zeigen.
➡️ Weitere Entwicklungen rund um die Regulierung sammeln wir laufend in unserem Themenbereich Gesetz.



