Glücksspielstaatsvertrag – nur Sportwetten legal?

Viele Bundesländer wollen die gesetzliche Grundlage für Sportwetten regeln. Doch wozu wird ständig das Theater um Sportwetten erneut entfacht? Mit der neuen Grundlage sollen die Tippspiele aus der Grauzone geholt werden. Hierzu sollen alle Anbieter eine Lizenz beantragen und einheitliche Regeln befolgen. Bereits jetzt gibt es Widersacher, wie Schleswig-Holstein oder Hessen, die dieses Theater nicht länger hinnehmen möchten und auf eine neue Grundlage verzichten wollen.

Während einer Bundesligapartie sehen Zuschauer oftmals die Werbebanner der verschiedenen Buchmacher, welche Onlinewetten anbieten. Inzwischen agieren verschiedene Anbieter auch als Sponsor von Vereinen oder haben eine eigene Halbzeitshow. Das dieses Vorgehen immer neue Tipper anlockt ist unumstritten. Täglich schließen Kunden der Buchmacher bis zu fünf Millionen Wetten auf den Sport ab. Dies geschieht zumeist im Internet am heimischen Rechner oder mit dem mobilen Endgerät. Auch Wettshops sind in Deutschland noch vorhanden und bieten die Wettabgabe an.

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Für ein großes Aufsehen sorgte der Wettanbieter Tipico. Durch die Werbung mit dem Rekordmeister FC Bayern München und dem Ex-Welttorhüter Oliver Kahn konnte sich das Unternehmen einen Namen machen und besitzt inzwischen zahlreiche Tipper in seinen Reihen. Dass es sich bei diesem Unternehmen mit dem Sitz in Malta handelt, wissen jedoch nur die wenigsten Tipper. Jeder Tippschein der bei Tipico platziert wird, bewegt sich in einem nahezu rechtsfreien Raum.

Doch damit soll nun endgültig Schluss sein. Sportwetten sollen reguliert und damit gewissermaßen legalisiert werden. Auf dieses Vorgehen haben sich die 16 Bundesländer nach einem jahrelangen Streit nun geeinigt. Der Dritte Glücksspieländerungsstaatsvertrag sieht vor, dass jedes Wettportal eine bundesweit gültige Lizenz erhält. Der Vertrag soll am 21.März zur Ministerpräsidentenkonferenz vorgetragen und im Anschluss unterzeichnet werden.

Jahrelanges Hin- und Her soll beendet werden

Die vereinbarte Lösung soll nun das beenden, was seit vielen Jahren als dauerhaftes Hin und Her im Sportwetten Bereich bezeichnet wird. Bereits 2011 hatten sich die Länder darauf geeinigt, Konzessionen an private Anbieter vergeben zu wollen. Das Problem bei diesem Vorgehen? Eine Obergrenze, sodass nur 20 Anbieter zugelassen werden sollten. Insgesamt bewarben sich 73 Unternehmen, von denen nach einer ersten Vorauswahl 35 übrigblieben. Im Anschluss wurde das Verfahren gestoppt, da sich zahlreiche Anbieter über das undurchsichtige Verfahren beschwerten, vor Gericht zogen und Recht bekamen. Der Prozess wurde daraufhin komplett eingestellt und bislang wurde nicht eine einzige Lizenz vergeben.

Suchtbeauftragte sind empört über die Verharmlosung des DFL

Sportwetten haben inzwischen ein positives Image und gehören bei vielen Jugendlichen zum Alltag. Dies ist den Wettportalen auch dank der DFL (Deutschen Fußball Liga) gelungen, da zahlreiche Anbieter in Kooperation mit dem DFL stehen.

Genau dieses Vorgehen und die Verharmlosung, dass Sportwetten als die harmloseste Form des Glücksspiels dargestellt wird, verärgert Suchtbeauftragte. Aber selbst Ilona Füchtenschnieder, Vorsitzende vom Fachverband für Glücksspielsucht, ist nicht generell gegen Sportwetten. Vielmehr solle das Tippen unter Aufsicht angeboten werden, sodass ein Problemfall schneller ausfindig gemacht werden kann.

Warum geht das Gezerre um Sportwetten immer weiter?

So illegal und gefährlich ist die Sportwetten Szene für viele nicht. Immerhin bietet der Großteil der Buchmacher das legale Wetten mit einer europäischen Glücksspiellizenz an. Somit bewegt sich sowohl der Wettanbieter, als auch der Tipper nicht in einer Grauzone. Zudem muss man Deutschland inzwischen seit 7 Jahren vorhalten, dass es zu unfähig ist, die Gesetze zu verschärfen.

Ein weiterer Punkt der oftmals von Buchmachern angeführt wird, ist die 5% Wettsteuer, die von allen deutschen Tippern an den Staat geleistet wird. Wettportale sind inzwischen so fortgeschritten, dass die Wettsteuer bereits auf dem Wettschein angezeigt wird. So übernimmt der Buchmacher die Zahlung an den Staat und der Tipper muss sich um nichts kümmern. Dieses Vorgehen beweist doch, dass sich Wettanbieter, auch wenn sie im Ausland sitzen, an die Regeln halten und das ganze Thema nur aufgeputscht wird.

Auch vor dem Datenschutz wird nicht Halt gemacht

Im letzten Jahr wurde eine neue Datenschutzrichtlinie eingeführt, die bei vielen Deutschen für Verwirrung sorgte und bis heute nicht klar ist. Auch dieses Vorgehen soll nun mit Füßen getreten werden, da jeder Tipper nur noch 1.000,00 Euro im Monat einsetzen darf. Lustigerweise sollen die Daten an einer zentralen Stelle gesammelt werden.

Hessen und Schleswig-Holstein besitzen keinerlei Interesse an dem Vorgehen

Zwei der Bundesländer haben bereits deutlich gemacht, dass das geplante Vorgehen „nicht richtig“ unterstützt wird. Hessen und Schleswig-Holstein sind für Spieler die Hochburg in Deutschland. Schleswig-Holstein vergibt sogar als eines der wenigen Bundesländer gültige Lizenzen aus Deutschland.

Warum sollte sich in diesem Vorgehen etwas ändern? Sofern es doch einmal zu Schwierigkeiten mit einem Buchmacher kommt, bieten viele Anlaufstellen Hilfe an und vermitteln zwischen den Parteien.

Fazit – Darum ist die Neuerung nur für den Staat wichtig

Man kann es drehen und wenden – wichtig ist dem Staat bei diesem Vorgehen nur eines; das Kassieren! Sportwetten sind inzwischen gesellschaftlich akzeptiert und die Diskussionen sind völlig belanglos für Tipper. Auch die Europäische Union zweifelt an dem Vorgehen und hat Deutschland bereits des Öfteren gerügt.

Online Casinos bieten ihren Spielern ebenfalls den Echtgeld-Einsatz an, sollen aber nicht reguliert werden. Die Logik an diesem Vorgehen, welches klar gegen Sportwetten gerichtet ist, ist aus unserer Sicht eine einzige Lachnummer. Oder wie oft stand in den Medien das ein Tipper Haus und Hof eingesetzt hat. Sofern es eine einheitliche Lizensierung geben wird, reibt sich am Ende nur einer die Hände – der Staat. Auch ist zu erwarten das immer mehr Buchmacher den deutschen Tippern das Wetten auf Sport untersagen werden, wodurch auch die Wettsteuer bei diesen Buchmachern nicht beantragt werden kann.