Schwedische Nationalflagge an einem Fahnenmast.

Maßnahmen für Glücksspiel

In Schweden wird derzeit über ein umfangreiches Maßnahmenpaket gegen das illegale Glücksspiel diskutiert. Bereits im Oktober 2021 hatte die Regierung des Landes einen Gesetzesentwurf vorgestellt, der verbotenes Glücksspiel und Wettbetrug eindämmen soll. Nun hat die Spelinspektionen, die schwedische Glücksspielbehörde, in einem sechszehnseitigen Bericht ihre Einschätzungen zu den geplanten Maßnahmen abgegeben.

Kampf gegen illegale Glücksspielanbieter

Das Maßnahmenpaket der schwedischen Regierung wurde im zurückliegenden Oktober vom Finanzministerium ausgearbeitet. Ein Fokuspunkt war dabei die Strafverfolgung gegen illegale Glücksspielanbieter aus dem Ausland. Das Finanzministerium strebt diesbezüglich eine engere Zusammenarbeit mit den Zahlungsanbietern an. Da die Transaktionen über die Infrastruktur der jeweiligen Bezahldienste laufen, sollen diese die entsprechenden Glücksspielangebote ohne gültige Lizenz blockieren.

Die Spelinspektionen sieht die angestrebte Zusammenarbeit mit den Zahlungsanbietern als zielführend an. In ihrem Bericht erklärt die Glücksspielaufsicht, dass nur auf diese Art und Weise das illegale Glücksspiel in Schweden zurückgedrängt werden könne. Die Vergangenheit hätte des Öfteren bewiesen, dass eine losgelöste Verfolgung gegen ausländische Anbieter wenig Aussicht auf Erfolg verspricht. Aus diesem Grund sei eine direkte Blockierung der Transaktionen, die an oder durch illegale Betreiber getätigt werden, die erfolgsversprechende Strategie.

Infiltration illegaler Glücksspielanbieter

Im Kampf gegen illegale Glücksspielanbieter aus dem Ausland hatte das Finanzministerium zusätzlich vorgeschlagen, die jeweiligen Betreiber und Plattformen zu infiltrieren. Die Idee: Mitarbeitende der einheimischen Glücksspielbehörde sollen sich bei den vermeintlich illegalen Anbietern selbst registrieren und Transaktionen vornehmen.

Die Spelinspektionen erklärt in ihrem sechszehnseitigen Bericht, dass das Ministerium sich das Vorhaben zu einfach vorstelle und eine Umsetzung nicht realistisch sei. Die Anzahl der Hindernisse sei schlichtweg zu groß. Insbesondere die Einhaltung des personalrechtlichen Datenschutzes sei bei der vorgeschlagenen „Spionagemission“ nicht zu gewährleisten. Zudem stünden nicht genügend Ressourcen zur Verfügung, um jeden nicht lizensierten Glücksspielanbieter auf Herz und Nieren zu „testen“. Man sei automatisch auf die Hilfe von anderen Behörden angewiesen.

Geldwäsche im Fokus

Ein besonders großen Augenmerk hat das Finanzministerium auf die Geldwäsche im Zusammenhang mit Glücksspiel gerichtet. Das Regierungsorgan hegt die Absicht, mehr für die Prävention zu tun. Die schwedische Glücksspielbehörde sieht darin jedoch keine Lösung des Problems. Vielmehr sei eine Straferhöhung bei Geldwäschedelikte die bessere Maßnahmen. Die aktuelle Gesetzgebung sei in diesem Bereich nicht verhältnismäßig und müsse dringend angepasst werden.

Das schwedische Anti-Geldwäschegesetz deckelt Verstöße auf 10 Millionen SEK. Umgerechnet sind das knapp 970.000 Euro. Nach Auffassung der Spelinspektionen sei diese Summe nicht vertretbar, da Delikte gegen das allgemeine Glücksspielgesetz viel höher bestraft würden. In jüngerer Vergangenheit sei es in verschiedenen Gerichtsverfahren zu der Argumentation gekommen, dass etwaige Glücksspielgesetzverstöße zu hoch belangt worden sind. Als Grundlage hätten die relativ milden Strafen des Anti-Geldwäschegesetzes hergehalten. Durch die Erhöhung des Strafmaßes falle das rechtliche Schlupfloch jedoch weg.

Informationsaustausch gegen den Wettbetrug

Neben des illegalen Glücksspiels hatte sich das Finanzministerium auch dem Wettbetrug im Land gewidmet. In der jüngeren Vergangenheit haben schwerwiegende Skandale den Sport und die Wettbranche in Schweden heimgesucht. So waren etwa zwei Profifußballer des Landes in Bestechungs- und Manipulationsskandale verwickelt, die noch immer in der öffentlichen Wahrnehmung präsent sind.

Zukünftig soll das System gegen Wettbetrug besser aufgestellt sein. Dafür plant das Finanzministerium für die Spelinspektionen eine Schlüsselrolle. Der Gesetzesentwurf sieht die nationale Glücksspielbehörde als zentrale Figur für den Informationsaustausch vor. Zu vermeintlichen Spielmanipulationen soll die Aufsicht alle Informationen beschaffen und auswerten. Bestätigt sich ein Verdachtsfall, sollen alle relevanten Daten an die zuständigen Strafverfolgungsbehörden weitergeleitet werden.

Die Spelinspektionen gibt in ihrem Bericht zu Protokoll, dass Wettbetrug jeder Art die Integrität des Sports schade. Zeitglich würde die Wettbranche enorm unter den Folgen aufgedeckter Skandale leiden. Ein Informationsaustausch sei entsprechend die richtige Herangehensweise. Nur wenn Verdachtsfälle schnellstmöglich aufgedeckt werden können, würden Wettbetrügereien nachhaltig eingedämmt.

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Über den Autor Avi Fichtner Mein Name ist Avi Fichtner und ich arbeite seit 12 Jahren im Bereich Glücksspiel. Ich habe mehrere große Informationsseiten aufgebaut und kenne mich bestens aus. Ebenfalls seit 12 Jahren beobachte ich die gescheiterten Regulierungsversuche in Deutschland und schreibe dazu.
Avi Fichtner Casino Experte & Autor   Mail